mit Meditationskurs:
"Bauen Sie einen Lichttempel aus dem Stoff Ihrer Aura"
"In einer gewissen Nacht, in der die Sonne schien, war Hermes im Tempel des Lichts beim Gebet. Als die Säule der Morgendämmerung aufleuchtete, sah er eine Erde, die verschlungen wurde, mit Städten darauf, die der göttliche Zorn zerstört hatte und die in den Abgrund stürzten. Der Hermes rief: "Du bist mein Vater, errette mich aus der Umschlingung derer, die dem Untergang geweiht sind!" Und er hörte eine Stimme antworten; "Ergreife den Strang unserer Strahlen und klettere zu den Zinnen des Thrones herauf!" Als er dort droben angelangt war. fand er zu seinen Füßen eine Erde und einen Himmel."
(Aus: Shihabuddin Suhrawardhi. Siehe H. Corbin, Spiritual Body and Celestial Earth)
Unser größtes Bedürfnis - den wenigsten unter uns bewußt - ist vielleicht das nach Heiligkeit. Was verstehen wir darunter? Für die meisten Menschen offensichtlich, ist es das, was uns mit jener unaussprechlich erhabenen Realität verbindet, die sich als Mysterium hinter unserem Leben verbirgt und die traditionell mit dem Begriff "Gott" umschrieben wird. Im Gesichtskreis unseres persönlichen Lebens ist das Heilige enthalten in unserem Gefühl für die Würde unseres Status als Mensch, die wir vielleicht als das Göttliche in uns ehren - und deren wir uns immer dann bewußt zu werden scheinen, wenn sie durch Beleidigung oder Demütigung verletzt wird. Wenn die Grenze unserer Selbstachtung angegriffen wurde, fühlen wir uns erniedrigt, verraten, niedergeschmettert. Das furchtbarste Beispiel völliger Vergewaltigung dieses fundamentalen menschlichen Wertes ist die psychische Vernichtung, der die Insassen dieser Schandflecken unserer Zivilisation, der Konzentrationslager, ausgesetzt sind.
Torhüter des heiligen Areals unseres Wesens ist der Zorn. Anders als bei der persönlichen Wut scheint die ganze Menschheit, ja das ganze Universum mit uns solidarisch zu sein, wenn es darum geht, die Menschenwürde zu schützen, die das ist. was wir unter dem göttlichen Prinzip unseres Wesens verstehen.
Die Grenzlinie zwischen dem Heiligen und dem Profanen wurde und wird traditionell von der Schwelle des Tempels oder der Andachtsstätte symbolisiert. Reinigungs- und andere Riten dienen dazu, den Übergang vom Weltlichen zum Heiligen zu kennzeichnen. In einigen Kirchen gibt es mehrere Schwellen bis zum "sancto sanctorum", dem innersten Heiligtum, zu dem nur Priester Zutritt haben.
In dieser äußeren Manifestation tiefer innerer Prinzipien zeigt sich das Bedürfnis des Menschen, das, was heilig ist, vor Verletzung zu schützen. Manche Einsiedler und Mönche blicken voller Verachtung auf die Profanität, Selbstsucht und Hinterhältigkeit, der man "in der Welt" ausgesetzt ist und suchen Zuflucht in einer physisch und psychisch geschützten Zone - in einer Höhle, einem Kloster oder auch in einer Art psychischer Abgeschiedenheit oder Isolation. Eine klare Grenzlinie zwischen dem Heiligen und dem Profanen ist in der Hindu-Tradition zu finden, in der Unterscheidung zwischen dem "Sannyasin" und dem "Hausvater". Der Sannyasin soll zölibatär leben, nichts besitzen und keiner Arbeit nachgehen (er darf wohl eine Bettelschale besitzen, aber nicht betteln). Der Hausvater dagegen hat Familie und soll arbeiten.
In unserer Zeit lockert sich diese Aufteilung. Viele Menschen versuchen, Spiritualität in ihr Leben zu bringen und ihren höchsten Idealen durch Dienst an ihren Mitmenschen im normalen Leben gerecht zu werden. Einige wenige nur noch, von Lebensumständen enttäuscht und in der Folge dem "Profanen" abhold, suchen Zuflucht in einer spirituellen Umgebung. Kein Zweifel, daß sich hinter dieser Haltung ein Hang zum Urteilen verbirgt, vielleicht auch eine gewisse Lossagung von den Mitmenschen mit ihrem Ringen und Leiden im Kampf des Lebens. Jedoch gibt es soviel Grobheit, soviel Gier und Vulgarität, und das Eintauchen in Machtspiele und Materialismus führt so leicht zu einer Sucht, daß die empfindsameren Seelen ein verzweifeltes Bedürfnis verspüren, die heilige Zone ihrer Psyche zu schützen, zu ehren und zu feiern.
Das ist der Grund, weshalb Menschen meditieren.
Es gibt eine Weise, einen inneren Tempel um diese heilige Dimension unseres Wesens herum zu bauen, in dem sie gehegt und genährt werden kann. Die Sufi-Übung des "dhikr" bietet sich an, um dieses tiefe Bedürfnis zu stillen, weil der "dhikr" eine Meditation in Bewegung ist. Indem man sein Magnetfeld aufrührt, das heißt, seinen oberen Pol in Rotation bringt - den Kopf des Magneten, den unser Körper darstellt -, und zwar um das Gravitationszentrum Solarplexus herum, bringt man Bewegung in das Magnetfeld des Planeten und tatsächlich des Universums, in Form eines Vortex. Dies ist eine Realität im Sinne eines Kraftfeldes, das sich wie eine Art persönlicher Andachtstempel strukturiert.
Wenn man versucht, sich nach innen zu wenden, neigt man auf ganz natürliche Weise dazu, den Einfluß der Eindrücke aus der Umwelt abzuschneiden, ähnlich wie wir es beim Einschlafen tun. So schützen die Yogis ihren "inneren Hafen" vor dem Tumult des weltlichen Lebens im Samadhi-Zustand, in dem alle Sinnes- und sogar die mentalen Eindrücke zum Schweigen gebracht werden.
Da wir jedoch in unserer heutigen Zeit dem, was man im Leben erreicht, einigen Wert beimessen, müssen wir einen Weg finden, um die Umwelt - psychische und physische Eindrücke - aufzunehmen, dabei aber auszuwählen, welche Elemente wir aufnehmen wollen, und diese einer Umwandlung zu unterziehen, während sie in die tieferen Schichten unseres Wesens vordringen, wo wir die von uns als heilig geachtete Dimension unserer selbst beherbergen. Dieser Selektionsprozeß (er entspricht in der Alchemie dem Filtern), gefolgt von Transmutation (Destillation in der Alchemie) wird bewirkt durch Affinität: Gleiches gesellt sich zu Gleichem.
Aus dem Aufnehmen von Eindrücken erwächst spekulatives Wissen. Dieses kann sich aus der Sicht des Sufismus nicht messen mit dem intuitiven Wissen, das aus dem Innern aufsteigt und nicht erworben werden kann, und die Programmierung des kosmischen Verstandes ist dergestalt, daß wir davon nur "Zeichen" erhalten können in der Stille innerer Kontemplation. Etwas gibt es jedoch, was wir selbst beisteuern können, um dies zu erleichtern - wir können uns vorbereiten (wie die berühmten fünf Jungfrauen).
Ein erhellender Hinweis zu dem, was manche Derwische tun, um dieses geheimnisvolle göttliche Wissen zu erlangen, findet sich in einer mazdäischen Übung (ein Hinweis mehr auf die Wissensüberlieferung von den alten Magiern an die iranischen Sufis). Der Schlüssel ist in einer alten Legende enthalten: In den frühen Erzählungen vom Eran Veg, dem früharischen Paradies, gab es einen berühmten mazdäischen Magier namens Jamshed. Jamshed besaß eine Schale mit sieben Löchern. Dieses magische Gefäß hatte zehn Stränge, an denen man ziehen konnte. Und nun kommt das Rätsel: Wenn Jamshed an den Strängen zog, öffnete (nicht schloß!) sich das Gefäß und offenbarte ihm "Zeichen" des Unsichtbaren. Versuchen Sie das Rätsel zu entziffern. Ein
Schlüssel: Die sieben Löcher sind offensichtlich die sieben Öffnungen in unserem Kopf. Der nächste Hinweis: Wenn man es schließt, öffnet es sich von innen; die Sinne, wie Pir-o-Murshid Hazrat Inayat Khan sagt, wenden sich nach innen. Haben Sie es erraten? Wissen Sie, was die zehn Stränge sind? Ich hoffe, Sie haben es herausgefunden, wenn Sie bereit sind, es zu praktizieren. Aber das Rätsel endet hier noch nicht: Jamshed entdeckte eine Art, das Gefäß so zu drehen, daß sich ein Lichttempel daraus formierte! Und hier war die Stätte der Erleuchtung.
Nachfolgend gebe ich dazu eine Meditationsanleitung.
Meditationsanleitung:
SEINEN EIGENEN LICHTTEMPEL AUS SEINER AURA BAUEN
Zunächst sollten Sie folgende Tatsachen verstehen:
a) Die Zellen des Körpers (genaugenommen die Atome) absorbieren Licht aus der Umwelt, einschließlich kosmischer Strahlen aus dem Außenraum, und geben Licht an die Umwelt ab.
b) Die menschliche Aura besteht in ihrem rein physischen Aspekt aus der Strahlung dieses Lichts, das bei jeder Zellteilung aufsprüht (Myosins), wobei die Nervenzellen am produktivsten sind.
c) Da das Gehirn eine intensive Ballung von Nervenzellen enthält, ist es von innen beleuchtet. Die Sehnerven, eine Fortsetzung des Gehirns, projizieren die mittleren Frequenzen dieses Lichts durch Netzhaut und Hornhaut nach außen, aber das hochfrequente (ultraviolette) Licht dringt durch den Schädel nach außen und kann durch bildliche Vorstellung zu einem Strahl geformt werden.
d) Wenn man eine Form visualisiert, projiziert man tatsächlich einen Teil seiner Aura in eine regelrechte Lichtstruktur im Raum, ähnlich einem Hologramm.
e) Diese Struktur wird enorm verstärkt, wenn man den Körper in eine regelmäßige formgebende Bewegung bringt.
Übungen:
1. Stellen Sie sich vor, wie Sie mutig mit offenen Augen in ein gleißendes Licht schauen. ("Um in die Sonne zu schauen, muß man Augen haben, die wie die Sonne sind". Plotin)
2. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß das Gehirn, als dichte Ansammlung von Nervenzellen, intensiv von innen beleuchtet ist.
3. Stellen Sie sich das Strahlen innerhalb des Gehirns vor und visualisieren Sie, wie es durch die Sehnerven herab- und hinausgezogen wird und von der Netzhaut durch die Hornhaut in Gestalt zweier Lichtstrahlen nach außen tritt.
4. Schließen Sie die Augenlider, drehen Sie die Augen nach oben, und während Sie einatmen. konzentrieren Sie sich auf das intensive Licht im Gehirn.
5. Visualisieren Sie den Kranz sprühenden, durchscheinenden Lichtes - farblos, aber mit vielfarbigen Lichtblitzen -, der als Corona über Ihrem Kopf aufleuchtet.
6. Nun halten Sie, die Augen immer noch nach oben gedreht, den Atem an. Halten Sie den Brennpunkt Ihrer Konzentration oberhalb des Kopfes, und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihr Bewußtsein (oder besser, Ihre Intelligenz). Stellen Sie sich vor, daß Ihre Intelligenz fähig ist, Licht auf die Dinge zu werfen, allerdings kein physisches Licht.
7. Während Sie ausatmen, stellen Sie sich vor, daß die leuchtende Intensität Ihrer Bewußtheit und Wachheit den Glanz der (hellblauen) Strahlen, die aus Ihren Augen treten, intensiviert. Stellen Sie sich dann einen dritten, violetten Strahl vor, der aus der Mitte Ihrer Stirn tritt.
8. Wenn Sie die Augen wieder nach oben gedreht, einatmen, visualisieren Sie die Corona ((über Ihrem Kopf)).
9. Beim nächsten Ausatmen konvergieren Sie die beiden blauen Strahlen Ihres Blickes in einen Lichtpunkt ungefähr zwei Meter vor Ihnen.
l0. Wenn Sie wieder ausatmen; konzentrieren Sie sich auf den violetten Strahl, der durch den blauen Lichtpunkt hindurchbricht.
11. Stellen Sie sich nun vor, daß der Lichtpunkt ein blauer Saphir ist, der von dem violetten Strahl durchquert wird.
12. Nun werden Sie beim Ausatmen des grünen Lichtes gewahr, das aus Ihrem Kehlkopfchakra (plexus pharingalis) austritt, und des strahlend goldenen Lichtes Ihres Herzchakras (plexus cardialis).
13. Jetzt ist der Augenblick gekommen, Ihren Oberkörper beim Ausatmen in eine Drehbewegung im Gegenuhrzeigersinn zu bringen, und zwar um den Drehpunkt Ihres Körpers, den Solar Plexus, herum. Dabei ziehen Sie mehrere Lichtkreise: einen violetten mit dem Strahl des Dritten Auges, begleitet von einem konzentrischen blauen Strahl, dann den Außenkreis - farblos, aber mit aufblitzenden Farben -, den der Kopf beschreibt, ((den grünen Kreis des Kehlkopfzentrums)) und den goldenen Kreis, den das Herzchakra zieht.
14. Durch die Kraft der Wiederholung verleihen Sie diesen Kreisen Beständigkeit: Sie haben tatsächlich eine ganze Lichtstruktur um Ihren Körper herum gebaut zahllose farbige Lichtstreifen in konzentrischen Kreisen nach dem Modell des Spektrums.
15. Indem Sie die Kreise weiter werden lassen, erscheinen diese nun als sich ausdehnende Spiralen, wie ein Vortex (eine Galaxie) im Außenraum.
16. Um nun konzentrische Sphären statt zweidimensionaler Vortici zu bilden, führen wir eine weitere Bewegung ein: Sie lassen Ihren Kopf und Oberkörper nun nach vorne, unten, hinten rotieren, während Sie einatmen. Anschließend beim Ausatmen wieder die Links-unten-rechts-Bewegung. Jetzt haben wir zwei Meridiane, auf denen eine dreidimensionale Lichtstruktur errichtet wird. Sie werden dabei allerdings feststellen, daß die Links-rechts-Bewegung den Eindruck eines sich weitenden Kreises (zentrifugal) vermittelt, während die Vorwärts-rückwärts-Bewegung den Eindruck gibt, sich nach innen zu ziehen (zentripetal).
Die Schutzhülle Ihres Tempels ist keine Mauer, sondern Ihre Ausstrahlung. Sie filtert und transmutiert zudem Licht aus der Umwelt. Sie haben nun aus Ihrer Aura einen Lichttempel gebildet. Aber es ist nur ein, wenn auch glanzvoller, Lichtstrudel in dem unendlichen Lichttempel, den die Galaxien bilden.
17. Nun führen Sie einen Augenblick des Atem-Anhaltens ein, zwischen dem Einatmen und dem Ausatmen, in dem Sie sich - gegen Ende des Einatmens - auf die Leere im Solarplexus konzentrieren (die Kraft-Tankstelle, das "weiße Loch", durch das neue Energie in Ihr Universum fließt), und sobald Sie ein Aufsteigen neuer Lebensenergie und Strahlung spüren, ziehen Sie sofort Ihre Aufmerksamkeit in das Herzzentrum hinauf.
18. Letzte Bewegung: Während Sie den Atem anhalten, beleben Sie Ihr Herzzentrum mit dem Atem reinen Geistes, der in Ihren Lichttempel durch eine Öffnung an der obersten Stelle herabsteigt.
19. Sie gewinnen den Eindruck, als wenn der Lichttempel verklärt und verwandelt würde in einen weiteren Tempel subtileren Lichtes, der den Tempel aus physischem Licht zu umgeben und etwas höher im Raum angesiedelt zu sein scheint. Und dieses Gefühl ((von Umwandlung in immer feinere Lichtstrukturen)) kann sich unendlich fortsetzen.
20. Aber der wichtigste Schritt steht noch aus. Wurde nicht dieser Tempel zu dem Zweck errichtet, eine heilige Wohnung für die göttliche Gegenwart zu schaffen, die Schutz bietet vor Weltlichkeit und Sakrileg, eine ideale Bedingung, um diese Gegenwart erleben zu können und um das höchste Ideal zu entdecken - Gott?
21. Gibt es noch weitere Schritte? Entdecken Sie, daß das Bedürfnis nicht allein darin besteht, den Tempel zu bauen, sondern auch darin, in diesem Tempel unsere menschliche Rolle zu spielen - als Priester, als Ritter, als Eremiten, als Gottesverehrer, als Musiker, als Tempeldiener, als Putzleute und viele andere mehr.
[Alles, was in Doppelklammern (( )) steht, ist Anmerkg. d. Übers.]