[Die nicht bezeichneten Zitate (kursiv) sind Worte von Pir-o-Murshid Hazrat Inayat Khan. Andere Zitate sind mit einer Referenzangabe versehen.]
Wenn wir einen Moment über die Lehre nachdenken, die wir all die Jahre hindurch miteinander geteilt haben, wird deutlich, daß wir Murids in Meditationstechniken unterweisen, um ihnen zu helfen, weitere Dimensionen in ihr Leben einzubeziehen und dadurch verborgene Potentiale zu entfalten und besser in der Lage zu sein, den Herausforderungen in ihrem Leben zu begegnen, indem sie die durch geistiges Erwachen gewonnene Erkenntnis in ihrer Alltagssituation anwenden. So beugen wir der Gefahr vor, der Täuschung des "spirituellen Bypasses" zu erliegen, wie man es vielen spirituellen Gruppen vorwirft, die ihre Schüler weltfremd und unfähig machen, mit ihren persönlichen Problemen in der heutigen Welt fertigzuwerden.
Andererseits gibt es andere Themen in unserem Leben als unsere persönlichen Probleme: das Bedürfnis, unser persönliches Wesen mit transpersonalen geistigen Werten zu umgeben, die Einstimmung auf das Heilige. Im Sufi-Orden und besonders unter den älteren Repräsentanten bricht eine Bewegung hervor in Richtung auf die universelle Dimension unserer Lehre. Wir sind aufgerufen, unsere persönlichen Belange außer acht zu lassen und unsere persönliche Identität zu überschreiten.
Das falsche Ich ist das, was dieses Ich sich fälschlich als sein eigenes Wesen vorstellt. Es ist nicht so, daß das falsche Ich unser Ich ist und das wahre Ich das Ich Gottes. Es ist so, daß das wahre Ich, das das Ich Gottes ist, in uns zu einem falschen Ich herabgesetzt worden ist.
Es ist unser Verständnis von Gott als dem entgegengesetzten Pol unseres persönlichen Ichs, das unsere Identität aus dem Zwang unserer persönlichen Dimension befreit. Der persönliche Pol unseres Wesens - allgemein als Ego bezeichnet - spielt eine Rolle in unserem psychischen Verteidigungssystem, als Schutz vor den Egos anderer, was dazu führen kann, daß wir andere zu beherrschen versuchen, um unser Selbstwertgefühl aufzubessern. Dieses Ego ist eine Hinterlassenschaft unserer Konditionierung, die sich im Laufe der urzeitlichen Stadien der Evolution gebildet hat. Um uns weiterzuentwickeln,müssen wir diese Ebene der Konditionierung durch die höheren Erscheinungsformen der Programmierung des Universums ersetzen, und da finden wir Freiheit von den primitiveren Formen der Konditionierung.
Die einzige Weise, uns dieser aufgeblasenen Vorstellung von uns selbst (die widersprüchlicherweise von einem Gefühl der Unzulänglichkeit begleitet ist) zu entwöhnen, ohne psychische Entzugserscheinungen hervorzurufen, ist, die höheren Ebenen unseres Wesens zu entdecken, die höheren Einstimmungen unseres Bewußtseins auf sublime Sphären des Universums entsprechen, welche wir Gott zuschreiben, und uns schließlich mit diesen Ebenen zu identifizieren. Wenn wir diesen Schritt geschafft haben, erkennen wir, daß die Botschaft die treibende Kraft hinter all unseren Lehren ist; die persönliche Entwicklung ist nur ein Bestandteil der Erfüllung unseres Wesens.
So wie es zu einer Zeit von überall den Ruf gab, das Eigeninteresse zu wahren, ist jetzt der Zeitpunkt für die Botschaft gekommen, die die Menschen aufruft, einander zu verstehen und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Das Glück und der Frieden jedes einzelnen hängen vom Glück und Frieden aller ab. Die vollständige Freude liegt darin, die Freude miteinander zu teilen. Der Selbstsüchtige genießt, ohne sich um andere zu kümmern. Was immer er genießt, Dinge der Erde oder Dinge des Himmels - seine Freude ist nicht vollständig. Auf dieser dritten Stufe ist das Befolgen der Botschaft erfüllt, wenn man sie vernommen und über sie nachgedacht und denselben Segen an andere weitergegeben hat.
Der Sufi-Orden oder die esoterische Schule war die Schule für das Training, das die Tür zur Spiritualität der Zukunft geöffnet hat, die als die Botschaft bezeichnet wird.
Unsere Aktivität im Bereich der Religion ist eine Nebenaktivität, wenn man die esoterische Schule und die Esoterik als Hauptaktivität betrachtet, und doch ist diese Aktivität und nicht die esoterische Schule die Antwort auf den Schrei der ganzen Menschheit. ... Bevor die Seele ihren Schrei zum Ausdruck gebracht hat, hat er schon das Herz des Botschafters erreicht.
Pir-o-Murshid stellt klar, daß der Sufi-Orden keine Sekte ist:
Der Sufi-Orden ist eine Schule, die die Verkörperung aller Schulen darstellt und die dem Bedürfnis der heutigen Zeit entspricht. Der Sufi-Orden ist daher der Körper, der aus all denen besteht, die an spiritueller Verwirklichung interessiert sind und die in den Sufi-Orden eingeweiht sind, der 1910 gegründet wurde, als die Sufi-Botschaft in die westliche Welt gebracht wurde.
Um die Grenzen des persönlichen Ichs zu überschreiten, müssen wir uns um andere kümmern, um die menschliche Familie, um den Planeten. Indem wir uns dem Dienst weihen, nähren wir die kosmische Weite unseres Wesens. Hier liegt der Übergang von der esoterischen Schule - dem Sufi-Orden - zur Botschaft.
Die ganze Menschheit ist wie ein einziger Körper. Jedes Organ dieses Körpers, das verletzt oder gestört ist, kann indirekt Störungen im ganzen Körper hervorrufen.
Dies kann den Verzicht auf persönliche Besitzgier erfordern, die über die persönlichen Bedürfnisse hinausgeht, Selbstverleugnung und das Aufgeben von Ehrgeiz und Eitelkeit, was möglicherweise den Verlust des Status bedingt.
Als Pir-o-Murshid in jener historischen Zeremonie am Hijerat-Tag, dem13. September 1926, den Universel gründete, tat er damit mehr, als den Grundstein für den Tempel aller Religionen zu legen ...
Das andere, woran zur Zeit Bedarf besteht, ist ein Tempel für den Universellen Gottesdienst.
Als euer Murshid hierher geführt wurde, hat die Vorsehung ihn hier ansässig werden lassen. Geister wurden in Bewegung gesetzt, um dieses Stück Land in Besitz zu nehmen, damit hier ein Tempel errichtet werde. ... Nun, da die Vorsehung euren Murshid hier in Suresnes hat ansässig werden lassen, möge nicht weit von hier, in dieser Umgebung ein Miniatur-Tempel errichtet werden, und nach diesem Modell, wie klein auch immer, mögen in den verschiedenen Ländern Nachbildungen geschaffen werden.
... er kündigte den nächsten Schritt an: das Hervorgehen des Universel aus der Sufi-Bewegung.
Ich möchte einige Worte sagen über unsere Bemühungen, etwas (den Universel) zu erbauen. Wir sind zusammengekommen, die Vorsehung hat uns zusammengeführt, in Freundschaft, in Sympathie, in Liebe, und das muß eine besondere Bedeutung haben. Und diese besondere Bedeutung ist, daß wir etwas errichten, wir bauen etwas " in der Luft". Und dieses Gebäude ist nicht ein Gebäude für eine bestimmte Zeit. Dieses Gebäude wird errichtet für künftige Jahrhunderte. ...
Diese Aussagen, die Pir-o-Murshid zu einer Zeit machte, als er sich der Erfüllung seines Lebens näherte, bringen zwei letzte Wünsche zum Ausdruck: erstens, daß ein Tempel für alle Religionen in Suresnes gebaut werden möge ...
Jemand hat mich gefragt: "Aber warum soll es an einem Ort wie Suresnes sein? " Wenn die Sufi-Botschaft sich von einem praktischen Standpunkt aus danach richten würde, was für ihren irdischen Fortschritt am besten ist, dann sollten wir sicherlich die mystische Bedeutung ignorieren, die hinter unseren Bemühungen wirkt. ...Es gibt eine mystische Sichtweise, es gibt eine mystische Bedeutung, es gibt einen mystischen Standpunkt, der sich von dem unterscheidet, was wir als einen praktischen Standpunkt bezeichnen. Dinge von großer Bedeutung liegen jenseits dessen, was wir unseren praktischen Standpunkt nennen.
... und zweitens, daß ein Tempel gebaut werden möge gemeinsam von Menschen, die sich dem Dienst der Botschaft der Einheit geweiht haben.
Es sind unsere Gedanken und unsere Gefühle, die in diesem Tempel als Steine und Ziegel und Fliesen dienen werden, und es sind unsere Gefühle, die diesen Tempel für künftige Jahrhunderte bewahren werden. ... Meine ernsthaften Murids sind die Treuhänder dessen, was jetzt und zukünftig gegeben wird, es zu sammeln, es zu hüten, es zu schützen und es für zukünftige Generationen zu bewahren. ... Dies eröffnet meinen Murids eine andere Überlegung.... Jeder Murid hat zu diesem Tempel einen Beitrag zu leisten, und der beste Beitrag, den er leisten kann, ist seine Hingabe, sein Vertrauen in die Botschaft, sein aufrichtiger Dienst für die Sache, seine Sympathie, seine Freundschaft zu Murshid.
Wir spüren die dringende Notwendigkeit, etwas für andere zu tun anstatt für uns selbst. Pir-o-Murshid war ein Pionier, feinfühlig für den Puls der Entwicklung, durch die unsere menschliche Familie gegangen ist und geht. Er lauschte auf den Schrei der Menschheit, wie er es nannte, und entsprach einem verzweifelten Bedürfnis, indem er seinen Mitmenschen zeigte, wie ein entscheidender Irrtum weltweit Leid und Elend verursacht.
Es gibt Blitz, es gibt Donner, und dann fällt Regen; und so gibt es Kriege und Katastrophen, bevor die Botschaft kommt. Stürme sind sehr oft Warnungen vor dem, was kommt, und die verschiedenen Arten von Kämpfen und Umwälzungen sind oft Warnungen, bevor der Frieden kommt. ... Je tiefer der Schmerz, desto höher erhebt sich die Stimme des Herzens, bis sie den Thron Gottes erreicht, und das ist der Zeitpunkt, an dem die Antwort kommt. ... Und zu dieser Zeit, in der die Welt in Aufruhr ist, vermittelt diese Botschaft der Welt die göttliche Botschaft. Die göttliche Botschaft ist die Antwort auf den Schrei der Seelen, individuell und kollektiv.
Pir-o-Murshid läutet eine Alarmglocke, die unserer eigenen Besorgnis in der heutigen Zeit entspricht, und fordert uns auf dem Ruf zu folgen. Nur ein Wechsel im Denken kann dies individuell und kollektiv bewirken. Töne brechen durch die von Pir-o-Murshid Inayat Khan gesprochenen Worte hindurch, die von kosmischen Dimensionen künden, die das Format einer prophetischen Botschaft kennzeichnen.
Es gibt etwas in der gesamten Schöpfung, das wie ein Wecker ist, der eingestellt ist, zu einer bestimmten Zeit einen Ton abzugeben, damit man aufwacht. Diese Uhr ertönt durch die ganze Aktivität der Evolution hindurch, und wenn ein bestimmter Punkt in der Evolution erreicht ist, erwacht der Mensch durch den Weckruf: das ist das Wort, das verloren war. Es hat sein Echo in der Sehnsucht. ... Wenn ein Mensch morgens nicht aus eigenem Antrieb aufwachen kann, dann weckt ihn der Wecker. Die Propheten waren dieser Weckruf.
Pir-o-Murshid diagnostizierte den Mißstand in einem Bereich, der Millionen, Milliarden von Menschen betrifft: Religion.
Die Menschen denken, die Ursache für Krieg sei hauptsächlich politisch, aber Religion ist ein größerer Kriegstreiber als alle politischen Ideen. Oft scheiden sich die Menschen aus keinem anderen Grund voneinander als aus Anhänglichkeit an die Persönlichkeit ihres jeweiligen Lehrers, für den sie Überlegenheit über andere Lehrer beanspruchen, während sie einen Lehrer, der von anderen in gleicher Weise wertgeschätzt wird, herabsetzen, und so wurden die meisten Kriege und Auseinandersetzungen und Streitigkeiten unter den Kindern Gottes verursacht, die die Geschichte verzeichnet. ... Zurückweisung des Fremden und Beschränkung auf den Glauben an den einen, den er einmal anerkannt hat, haben den Menschen über ganze Zeitalter in Dunkelheit gehalten. ... Der Mensch hat an einem Propheten festgehalten und hat die anderen ignoriert, denn obwohl er seine Religion kannte, kannte er nicht die Botschaft. Er nahm das Buch als seine Religion, ohne die Botschaft zu erkennen.
Es gibt eine Tendenz in der Menschheit, die in allen Zeitaltern auftritt: sie führt den Menschen dazu, jeden Ausdruck der Botschaft, die ihm gegeben wurde, zu akzeptieren, sich davon einnehmen zu lassen und dadurch gesegnet zu werden, und es dennoch zu versäumen, zu erkennen, wer der Botschafter ist. Die Anhänger jeder Form der Botschaft bekennen sich zur Hingabe an ihren Herrn und Meister, unter welchem Namen auch immer, den er in der Vergangenheit trug, aber sie kennen den Meister nicht unbedingt. Was sie kennen, sind der Name und das Leben des Meisters, wie sie ihnen durch die Geschichte oder Tradition überliefert wurden, aber darüber hinaus wissen sie wenig von ihm. Wenn derselbe in einer anderen Form käme, in einem Gewand, das einer anderen Zeit entspräche, würden sie ihn kennen oder akzeptieren? Nein, sie würden ihn nicht einmal erkennen, denn was sie in der Vergangenheit akzeptierten, war nicht die Botschaft, sondern die Form, ein bestimmter Name oder Charakter, ein Teil, aber nicht das Ganze.... Der Mensch weigert sich, an die Meister und ihre Lehren zu glauben - ob sie der Vergangenheit oder der Zukunft angehören -, wenn ihre Namen nicht in die bestimmte Tradition eingeschrieben sind, an die er glaubt, oder wenn er ihre Namen nicht in den Legenden gehört hat, die über Jahrhunderte in seinem Volk überliefert sind. Daher erkennen zum Beispiel Menschen aus dem Teil der Welt, in dem die hebräischen Propheten anerkannt werden, Avatare wie Rama und Krishna oder Vishnu und Shiva nicht an, einfach, weil sie diese Namen nicht in ihren heiligen Schriften finden. Das gleiche gilt für den anderen Teil der Menschheit, der Abraham, Moses oder Jesus nicht zu seinen Devatas zählt, da er diese Namen nicht in den ihm vertrauten Legenden findet. Selbst wenn es wahr wäre, daß Brahma derselbe Devata ist, den die Hebräer Abraham nennen, und daß Christus derselbe Meister ist, den die Hindus Krishna nennen, so würde der Mensch doch nicht diejenigen als eins erkennen, die er als verschieden betrachtet. Er hat eine höhere Meinung von dem einen und eine geringere Meinung von dem anderen.
Es ist die Arbeit des Sufi-Ordens, die Theorie der semitischen Linie der Mystiker und der Hindu-Linie der Mystiker miteinander zu verbinden und beide zusammen zu vermitteln. Mit der semitischen Linie meine ich nicht nur die Linie von Moses, sondern sie schließt auch Christus ein. ... Es gibt auch zwei unterschiedliche mystische Linien, und die beiden sind vereint in dem, was als Sufi-Botschaft bezeichnet wird. Dies darüber hinaus in einer modernen Form zu interpretieren, ist der Sinn der Botschaft.
Die Voraussetzungen für religiöse Einheit waren schon im Islam und besonders im Sufismus gegeben.
Wir haben unsere Botschafter in jeden Teil der Erde entsandt. (Koran)
Dies erfordert eine ganz besonders wichtige Erklärung, die als Hadith des Propheten Mohammed in Muslim's Sahih überliefert ist:
Am Tage der Auferstehung wird Gott sich Seinen Dienern in einer Form zeigen, die sie nicht kennen. Es wird nicht die Form des Gottes ihres Glaubens sein, sondern irgendeine Form aus den göttlichen Bestimmungen, in denen andere Gläubige ihren Gott kennen. Dann wird der Diener Ihn verleugnen und zurückweisen und Zuflucht bei Gott suchen gegen diesen "falschen" Gott, bis Gott sich ihm schließlich in der Form seines eigenen Glaubens offenbart. Dann wird er Ihn erkennen. (s. H. Corbin, "Creative Imagination According to Ibn 'Arabi" und W. Chittick, "The Sufi Path of Knowledge")
In gleicher Weise erkennen die Sufis die Unterschiede im Glauben der Menschen an:
(Ibn 'Arabi sagt:) Der Gott, der in einem Glauben ist, ist der Gott, dessen Form das Herz enthält und der sich dem Herzen in einer solchen Weise offenbart, daß das Herz Ihn erkennt. ... Da die Form, in der Er sich in einem Glauben offenbart, die Form dieses Glaubens ist, nimmt die Gotteserscheinung die Dimension des Gefäßes an, das sie empfängt, des Gefäßes, in dem Er sich offenbart. ... Daher gibt es viele Glaubensbekenntnisse. Für jeden Gläubigen ist das göttliche Wesen Er, der ihm in der Form seines Glaubens enthüllt wird. Wenn Gott sich in einer anderen Form zeigt, weist der Gläubige Ihn zurück. Das ist der Grund, warum die dogmatischen Glaubensrichtungen einander bekämpfen. (H. Corbin, s.o.)
In jedem Augenblick legt der Geliebte ein neues Gewand an.
Er wurde Noah und ging in die Arche, als bei Seinem Gebet die Welt überflutet wurde.
Er wurde Abraham und erschien inmitten des Feuers, das um Seinetwillen in Rosen erblühte.
Dann wurde Er Jesus und stieg zum Himmel auf und verherrlichte Gott.
Kurz gesagt, es war Er, der in jeder Generation, die dir bekannt ist, gekommen und gegangen ist,
bis Er schließlich in der Form eines Arabers erschien und die Herrschaft der Welt gewann.
Der wunderbare Gewinner der Herzen wurde zum Schwert in der Hand Alis.
Nein, nein, es war sogar Er, der in menschlicher Gestalt ausrief: Ana l'Haqq!
Es gibt keine Seelenwanderung, nichts wird übertragen.
Rumi hat keine Worte des Unglaubens gesprochen und wird sie nicht sprechen; zweifelt ihn nicht an!
(Rumi: Selections by Reynold A. Nicholson)
Um zu verstehen, was mit der Botschaft gemeint ist, muß unser Verstand die Bedeutung von Perennität [Fortdauern, Weiterbestehen] erfassen: eine Kontinuität im Wechsel:
Diejenigen, die Christus auf die historische Periode des Lebens des Propheten von Nazareth begrenzen, schränken sicherlich die Botschaft ein, trotz seiner offenen Erklärung, daß er der Erste und der Letzte sei. Christus hat auch gesagt: " Ich bin nicht gekommen, um ein neues Gesetz zu bringen, sondern ich bin gekommen, um das Gesetz zu erfüllen. " Das bedeutet, daß niemals eine neue Religion gegeben worden ist, obwohl die Welt es so aufgefaßt hat. ... Diejenigen, die mit dieser Botschaft der Religion gekommen sind, haben sie in verschiedenen Formen gegeben, entsprechend dem Entwicklungsstand der Menschen zu der jeweiligen Zeit, aber die Religion war ein und dieselbe.
Dies sind die Grundlagen, die zu der Botschaft erblüht sind, die Pir-o-Murshid verkündet hat.
Wir leben in einer Zeit, in der sich die Welt allmählich, wenn auch manchmal widerstrebend, zu einem Ganzen verwebt. Viele heißen diese Botschaft des gegenseitigen Verstehens und Respekts bei gleichzeitiger Anerkennung der Unterschiede willkommen. Die Universelle Botschaft ist kein Synkretismus.
Der Sufi sagt nicht, diese Religion sei größer als die andere; er tritt auch nicht hervor und sagt, diese Religion und jene Religion seien gleich. Er überläßt es jedem einzelnen, zu denken, was er denkt. Er hält nur seinen Gottesdienst als Beweis dafür, daß er alle Lehrer wertschätzt und daß er alle heiligen Schriften achtet, die die Menschheit achtet.
Es macht es leichter, eine andere Religion als die eigene zu verstehen, wenn man sieht, wie sie im Laufe der Geschichte entstanden sind.
Für jedes Individuum, jede Nation und jede Rasse gibt es eine spezielle Botschaft. ... Jeder Prophet mußte in der Art und Weise der Zeit sprechen, in der er lebte, und entsprechend dem Entwicklungsstand dieser Zeit. Auch unterscheiden sich die Gebräuche jedes Landes von denen anderer Länder, die Verhaltensweisen und das Leben unterscheiden sich. Wenn der Botschafter die Botschaft in einem anderen Land zu bringen hat, als dem, in dem er geboren ist, dann muß er natürlich berücksichtigen, was für eine Sicht des Lebens die Menschen dort haben, und muß die Botschaft entsprechend geben. ... Daß die Botschafter einander folgten, bedeutete nicht, daß sie verschiedene Botschaften zu geben hatten, sondern daß sie die Entstellungen korrigieren sollten, die die Botschaft der Vergangenheit durch ihre Anhänger erlitten hatte, und auch, um Prinzipien entsprechend der Evolution des Zeitalters neu zu beleben und um den Menschen dieselbe Wahrheit ins Gedächtnis zurückzurufen, die schon die früheren Meister gelehrt hatten, die jedoch vergessen worden war.
Ihre Botschaften unterscheiden sich in der äußeren Erscheinung, da jede Botschaft in Übereinstimmung mit dem Evolutionsgrad des Menschen gegeben wurde, und auch um dem Weg der göttlichen Weisheit einen besonderen Teil hinzuzufügen. Bestimmte Gesetze und Richtlinien wurden von ihnen angeordnet entsprechend dem Land, in dem die Botschaft gegeben wurde, dem Klima, dem Zeitalter, den Gebräuchen und Verhaltensweisen und sonstigen Erfordernissen.
Zum Beispiel, als man Wert auf Reichtum legte, wurde die Botschaft von König Salomo gegeben. Als man Schönheit verehrte, gab Joseph, der Schönste, die Botschaft. Als man Musik als himmlisch betrachtete, trug David seine Botschaft in Form von Gesang vor. Als man sich für Wunder interessierte, brachte Moses seine Botschaft. Als man eine hohe Wertschätzung für Opfer hatte, gab Abraham die Botschaft. Als Erblichkeit anerkannt wurde, brachte Christus die Botschaft als Sohn Gottes, und als Demokratie notwendig war, gab Mohammed seine Botschaft als Diener Gottes, einer wie alle und unter allen. Die demokratische Natur seiner Verkündigung und Botschaft setzte der Notwendigkeit weiterer Propheten ein Ende. Er verkündete la ilaha illa 'llah (es gibt nichts außer Gott). Gott stellt das ganze Wesen dar, einzeln, individuell und kollektiv, und jede Seele trägt die Quelle der göttlichen Botschaft in sich. Das ist der Grund, warum keine Vermittlung mehr benötigt wird, keine dritte Person als Erlöser zwischen dem Menschen und Gott. Der Mensch ist weit genug entwickelt, um die Idee zu verstehen, daß Gott alles ist und daß alles Gott ist; er ist tolerant genug geworden, an die göttliche Botschaft zu glauben, die von einem wie ihm gebracht wird, der Geburt und Tod, Freude und Schmerz und dem ganzen natürlichen Auf und Ab des Lebens unterworfen ist.
Der Zweck der Sufi-Botschaft bringt ein wachsendes Bedürfnis vieler wohlberatener Menschen von heute zum Ausdruck, Sektierertum zu vermeiden, eines der unheilvollen Dinge unserer Zeit, das die Ursache von so viel Intoleranz und Grausamkeit ist.
Die Sufi-Bewegung wird versuchen, Sektiererei zu vermeiden, die die Menschheit zu allen Zeitaltern der Weltgeschichte gespalten hat. Die Sufi-Botschaft steht nicht im Widerspruch zu irgendeiner Religion oder einem Glauben; sie unterstützt im Gegenteil alle Religionen, sie ist eine Verteidigung, für Religionen, die von den Anhängern anderer Religionen angegriffen werden. Gleichzeitig bringt die Sufi-Bewegung der Menschheit die Religion, die in Wirklichkeit alle Religionen ist. ... Die Sufi-Bewegung ruft den Menschen nicht von seinem Glauben oder seiner Kirche fort - sie ruft den Menschen auf, seine Religion zu leben. ... Daher steht die Sufi-Bewegung nicht als ein Hindernis zwischen ihrem Mitglied und seinem eigenen religiösen Glauben, sondern als eine offene Tür, die in das Herz seines Glaubens führt.
Die positive Seite ist, daß es nicht nur um Toleranz geht, sondern daß die Sufi-Botschaft allumfassend ist und daß sie die Perspektive einer Weltreligion ankündigt, die aus dem Spektrum der Vielfalt hervorgeht.
Sufismus ist keine neue Religion oder Gemeinschaft. Er will der Welt keine Gemeinschaft hinzufügen. ... Gleichzeitig bringt die Sufi-Bewegung der Menschheit die Religion, die in Wirklichkeit alle Religionen ist. ...Es ist die Weltbotschaft und die Religion, die die Religion der ganzen Menschheit sein wird, eine Religion, die den Menschen nicht von seiner eigenen Religion ablenkt.
Wenn es darum geht, die ursprüngliche Stimme der Botschaft zu erkennen, ist Pir-o-Murshids Antwort noch rätselhafter - aus gutem Grund - und fordert das gewöhnliche Denken jenseits seiner Grenzen heraus, wieder einmal das Unvereinbare zu vereinbaren: Kontinuität im Wechsel. Pir-o-Murshid zitiert oft Christus:
Der Schlüssel liegt in den Worten "Ich bin Alpha und Omega", "Ich bin der Erste und der Letzte". Kann das bedeuten "Ich bin nur für eine bestimmte Zeit gekommen, und da wurde ich Jesus genannt, und nur dann habe ich eine Botschaft gebracht - ich habe weder vorher noch nachher gesprochen "? Alpha und Omega bedeutet der Erste und der Letzte, immer, ständig anwesend, niemals abwesend vom Beginn der Schöpfung bis zum Ende. ... Wenn man den Geist sehen könnte, der hinter verschiedenen Persönlichkeiten verborgen ist, wäre man ständig in der Vision Christi.
Pir-o-Murshid betont, daß die Stimme der Botschaft in der Vergangenheit einen Anspruch geltend machen mußte:
Es gab eine Zeit, in der die Welt nicht fähig war, zu sehen. Die Menschheit hatte nicht genügend Erkenntnis, um die Botschaft zu erkennen; daher wurde der Anspruch der Prophetenschaft geltend gemacht. Aber jetzt kann die Welt früher oder später erkennen, was richtig und was falsch ist. Der Warner, der Meister, der Botschafter von heute erhebt keinen Anspruch; er arbeitet nur. Er überläßt es seinem Werk, sich selbst als wahr oder als falsch zu erweisen.
Und darüber hinaus:
Die Botschaft wird nicht gehört, nicht verstanden, nicht empfangen, bevor der Botschafter verschwunden ist.
Wir leben in anderen Zeiten:
Jeder Prophet hatte die Mission, die Welt auf die Lehre des nächsten vorzubereiten, jeder sagte das Kommen des nächsten voraus, und so wurde das Werk durch alle Propheten fortgesetzt, bis Mohammed, der Khatim al Mursalin, der letzte Botschafter der göttlichen Weisheit und das Siegel der Propheten, seine Mission antrat und seinerseits die endgültige Aussage der göttlichen Weisheit abgab: "Nichts existiert außer Allah".
Es bestand keine Notwendigkeit mehr für weitere Propheten nach dieser göttlichen Botschaft, die in der Religion durch das Erkennen Gottes in jedem Wesen den Geist der Demokratie hervorbrachte.
Wir leben in einer Zeit, in der verschiedene spirituelle Lehrer von sich behaupten, der Prophet oder Avatar zu sein.
Der Botschafter erhebt niemals einen Anspruch. Tausende hören jenen zu, die von sich behaupten, Botschafter zu sein, aber der Wind des Geistes wird alles zerstören, was falsch ist. Es ist nicht der Anspruch, der den Botschafter ausmacht, es ist die Botschaft. ... Das Wesen des Propheten, das Werk des Propheten und die Erfüllung seiner Aufgabe sind als solche der Beweis der Prophetenschaft. ... Er lebt als menschliches Wesen, Liebe, Haß, Lob und Tadel unterworfen; er verbringt sein Leben in der Welt der Anhaftung, in einem Leben, das von allen Seiten mit tausend Fesseln bindet, jedoch er vergißt nicht den Ort, von dem er gekommen ist.
Es erfordert Weisheit von seiten derer, die von der Macht der universellen Botschaft entflammt sind, zu vermeiden, daß sich Bekehrungseifer in die Begeisterung mischt und die Menschen abschreckt -ganz besonders zu einer Zeit, in der sich die Verehrung von Gurus als trügerisch erwiesen hat.
Ich kann nicht genügend warnen, eure Wertschätzung, eure Begeisterung und eure Sympathie für Murshid und für die Sache unter Kontrolle zu halten und immer darauf zu achten, die Botschaft nicht verdächtig zu machen in den Augen der Welt. Ich kenne sehr wohl das Gefühl meiner treuen Murids, die im Moment der Wertschätzung der Botschaft und des Segens wünschen, daß die ganze Welt dies mit ihnen teilen könnte.
Außerdem sind die Menschen aufgrund vergangener Erfahrungen berechtigterweise auf der Hut vor Sekten.
Der Sufi-Orden ist keine Gemeinschaft und keine Religion; sie ist der Kern der menschlichen Bruderschaft, die der innere Ruf jeder Seele ist ... ohne irgendeine Absicht, eine exklusive Gemeinschaft zu bilden, sondern um in diesem Dienst die Menschen aller verschiedenen Religionen zu vereinigen. ...Es ist nicht Aufgabe der Sufi-Bewegung, die ganze Menschheit in ihre Arme zu schließen, so daß alle Menschen Mitglieder der Sufi-Bewegung werden, sondern die Erfüllung der Sufi-Mission liegt darin, der ganzen Menschheit zu dienen. ... Sie wird mit ihr teilen und teilt schon unbewußt mit ihr ... aber das Ideal ihrer Mitglieder ist es, die Menschen einzuladen, Mitglieder der Menschheit zu werden. ...
Bei der Würdigung eines derart machtvollen Gedankens, so bedeutsam in dem Übergang, durch den die Menschheit gegenwärtig geht, ist der Bedarf an Arbeitern so stark spürbar wie schon zur Zeit von Pir-o-Murshid.
Es ist ganz natürlich, daß es schwierig ist, in einer weltweiten Sache genügend Arbeiter zu haben, um überall den Bedarf zu decken. Aber das muß man verstehen: Über je mehr Arbeiter für die Sache wir verfügen, desto mehr Unterstützung und Kraft fließen in die Verbreitung der Botschaft.
Obwohl wir sehr wenige sind, deren Bestimmung es ist, Gott und der Menschheit in dieser Hinsicht zu dienen, sollten wir uns gesegnet fühlen. Durch die Kraft dieses Segens sollten wir uns gänzlich ermutigt und unterstützt fühlen, Gott und der Menschheit zu dienen.
Sind die Arbeiter dieser Botschaft Priester? Nein, sie sind die Soldaten der Friedensarmee, der Armee, die dafür arbeitet, Frieden unter den verschiedenen Religionen dieser Welt zu bringen, die miteinander diskutieren und streiten und sich voneinander getrennt halten und die die Religion des anderen als falsch betrachten.
Wir arbeiten an einem Curriculum für den Sufi-Orden, für die esoterische Schule, aber was könnte das Curriculum für den Universel, für die Botschaft, sein? Der größte Teil von Pir-o-Murshids Lehre eröffnet eine Perspektive auf die weite Vision der Spiritualität der Zukunft. Der zweite Teil des Curri-culums ist unterwegs; er zeigt Punkt für Punkt die Parallelen zwischen Pir-o-Murshids Lehre und der Lehre der Sufis. Es kann daher kein Zweifel daran bestehen, daß die Botschaft aus dem Sufismus hervorgegangen ist. Wo ist also die Trennlinie? Nach tiefer Überlegung und Meditation erweist es sich, daß sie absolut nicht definierbar ist, sondern daß es darum geht, in die Erkenntnis der enormen spirituellen Reichweite hineinzuwachsen, die Pir-o-Murshid erforscht hat.
Meistens denken die Menschen, daß die spirituelle Botschaft etwas Konkretes und Definitives sein muß, nach Art von Doktrinen oder Prinzipien, aber das ist eine menschliche Tendenz, die nicht zur göttlichen Natur gehört, die das unbegrenzte Leben selbst ist. ... Ich möchte meinen Murids keine spezielle Lehre über die Botschaft geben, denn das ist etwas, das von ihnen selbst kommen muß, eine Erkenntnis, die ihrem eigenen Herzen entspringen muß, damit die Seele aus sich selbst und von innen heraus überzeugt wird, ohne äußere Lehre. Sowie meine Murids in der Erkenntnis der Wahrheit wachsen, werden sie die Bedeutsamkeit der Botschaft erkennen, die Heiligkeit der Botschaft und ihre eigene Verantwortung für die Verbreitung der Botschaft unserer Zeit.
Während dieser letzten Jahre, in denen Pir-o-Murshid auf dem Planeten weilte, schlug ein Siraj vor, für das Training der Cherags eine Schule für vergleichende Religionswissenschaft zu gründen. Pir-o-Murshid erkannte, daß dies nicht die Lösung war. Zunächst einmal ist vergleichende Religionswissenschaft ein Gebiet für Gelehrte, und sogar die meisten von ihnen müssen sich auf eine Religion spezialisieren. Der Grund für Pir-o-Murshids Haltung ist, daß die Botschaft nicht in Synkretismus besteht. Man würde dem reichen Beitrag der Religionen zu unserem spirituellen Erbe nicht gerecht werden.
Einheit ist nicht Uniformität.
Bemühungen, ihre Lehrsätze oder Dogmen zu vergleichen, führen zu Widersprüchen und Unvereinbarkeiten. Es ist leichter, ihre Meditationsmethoden zu vergleichen, denn da erweisen sie sich als einander ergänzend anstatt als einander widersprechend, und da sprechen wir über Erfahrung und nicht über Glauben.
Anstatt wie die Theologen in den Universitäten zu handeln, die nur feststellen wollen, was der Unterschied zwischen Moses und Buddha ist, sollte man hinter alle Religionen schauen, um zu sehen, wo sie übereinstimmen, und herausfinden, wie die Anhänger all der verschiedenen Religionen Freunde sein können, wie sie zu der einen Wahrheit gelangen können. Zu sagen, daß die ganze Welt einer einzigen Kirche, einer einzigen Religion angehören solle, ist genauso absurd, wie wenn alle Menschen eine bestimmte Art von Kleidung tragen sollten. Die Welt würde uninteressant werden. Der Unterschied zwischen den Menschen bestand nur in den Prinzipien und Ritualen, die den Menschen zu der jeweiligen Zeit gegeben wurden und die mit ihrem Standard von Intelligenz und Evolution übereinstimmten. ... Möge man den Menschen ihre Kirchen und Glaubensrichtungen und ihre verschiedenen Auffassungen von den Dingen lassen, solange sie der Erkenntnis der Wahrheit näher gebracht werden. Dann werden sie auf natürliche Weise besser verstehen, daß wahre Weisheit das wirkliche Licht ist und daß es die zentrale Weisheit ist, die sie zusammenbringt und die die Menschheit inspiriert. Auf Selbsterkenntnis beruht das Mysterium des ganzen Lebens. ... Glaube (belief) ist eine Sache, aber Überzeugung (faith) ist ein Wesen.
Die Anhänger der Religionen kennen nicht einmal ihre eigene Religion, geschweige denn die von anderen.
Versteht jeder Christ die Bibel? Kennt jeder Muslim den Koran oder jeder Hindu den Vedanta? Nein, vielleicht kennen sie die Worte der Verse, aber nicht immer die wirkliche Bedeutung. Unter den Muslims gibt es solche, die den ganzen Koran auswendig kennen, aber das erfüllt nicht den Zweck. Die ganze Natur ist ein geheimes Buch, und doch ist sie ein offenes Buch für den Seher. Wie kann der Mensch es übersetzen? Wie kann er es interpretieren? Es ist, als wollte man das Meer an Land bringen - man kann es bringen, aber wieviel?
Pir-o-Murshid warnt uns außerdem vor dem Vorurteil, dem unsere Interpretation aus unserer Begeisterung für die Botschaft unterliegen kann.
Wenn er anderen eine Interpretation dieser Geheimnisse gibt, dann werden diese dadurch beschränkt, denn sie nehmen die Farbe seiner eigenen Persönlichkeit an und die Form des Denkens derer, denen die Botschaft gegeben wird.
Synkretismus läßt einen in statischer Konzeptualisierung erstarren. Das Leben geht weiter - das Denken evoluiert.
Fortschritt bedeutet nicht, stillzustehen und bei einem Ideal oder Prinzip zu verharren. Die Arbeit der Sufi-Bewegung ist nicht, das ganze Regenwasser in ihren eigenen Tanks zu sammeln, sondern zu arbeiten und dem Strom der Botschaft einen Weg zu bereiten, um die Felder der Welt mit Wasser zu versorgen. ... Der größte Fortschritt ist eine ständige Ausdehnung des göttlichen Geistes - Ausdehnung in jeglicher Richtung, solange das Ideal der Einheit angewandt wird.
Aber gibt es nicht bestimmte Gedanken, die - obwohl sie bereits in den Religionen der Vergangenheit und vor allem in unserer Sufi-Überlieferung zum Ausdruck gekommen sind - Pir-o-Murshid besonders betont hat und die als Leitlinien gelten können für diejenigen, die sich für die Botschaft begeistern?
Die Sufi-Botschaft ist die Erweckung der Menschheit zur Göttlichkeit desMenschen (nicht nur persönliche Erweckung durch Meditation) ...Die Note, die die Sufi-Botschaft zur gegenwärtigen Zeit anschlägt, ist die Note, die die Göttlichkeit der menschlichen Seele verkündet - damit die menschlichen Wesen die Göttlichkeit der menschlichen Seele erkennen. ... Es ist der Geist aller Seelen, der zu allen Zeiten als Gott personifiziert wurde. ... Der Sufi sieht die Vision Gottes, der angebeteten Gottheit, in Seiner Immanenz, die sich in der Natur zeigt, und das Leben wird für ihn sowohl innerlich wie äußerlich zu einer vollkommenen Offenbarung.... Was hat die geistige Botschaft gebracht? Sie hat der Welt einen lebendigen Gott gebracht. ... Der unbegrenzte Gott kann unserem begrenzten Selbst nicht begreiflicher gemacht werden, wenn Er nicht zunächst begrenzt wird. ... Dieses begrenzte Ideal wird zu einem Instrument, zu einem Mittel Gottes, der vollkommen und unbegrenzt ist.
Die fortgeschrittenen Anschauungen der Botschaft passen nicht in den Rahmen des gewöhnlichen Denkens und sind daher zwangsläufig paradox. Die Botschaft war auf geheimnisvolle Weise in die Lehrsätze für die erleuchteteren Wesen eingebettet; mit fortschreitender Evolution des Denkens der Menschheit muß sie deutlich zum Ausdruck gebracht werden.
Gott ist im Menschen, und der Mensch ist in Gott, doch Gott ist Gott, und der Mensch ist Mensch.
In welcher Weise kann dies denjenigen helfen, die für die Perspektive der Botschaft entflammt sind und die sie unter ihren Mitmenschen verbreiten möchten?
Eine Warnung kommt zu gegebener Zeit als Intuition zur Seele. Nichts kann dem Zweck der Menschheit dienen außer der Entwicklung der Weisen aller Zeitalter, die die Seelen zur Selbstverwirklichung führt.
Da dies weder Bekehren noch das Propagieren einer Doktrin ist, kann es nur aus einer tiefen Erfahrung und Einstimmung kommen.
In dieser Erfahrung berührt das Bewußtsein eine Sphäre, von der er es weder den Eindruck eines Namens noch einer Form bekommen kann. Der Eindruck, den es bekommt, ist ein Gefühl - ein Gefühl von Erleuchtung, von Leben, von Freude. Welche Botschaft bringt diese Sphäre? Sie bringt eine Botschaft Gottes, die direkt zu jeder Seele kommt. Und was ist diese Botschaft? Gott sagt zur Seele: "Ich bin bei dir. Ich bin dein eigenes Wesen. Ich bin jenseits aller Begrenzungen. Ich bin das Leben, und in diesem Wissen bist du sicherer, lebendiger, glücklicher und friedevoller als in irgendetwas anderem auf der Welt."
Wir müssen uns durch die Erkenntnisse vorbereiten, zu denen wir durch die Meditationen gelangen, die wir in der esoterischen Schule lernen.
Der spirituelle Mensch erhebt sich über die menschliche Ebene, berührt die göttliche Ebene und bringt die Botschaft von der göttlichen zur menschlichen Ebene. Anstatt auf der göttlichen Ebene zu bleiben, erscheint er unter seinen Mitmenschen zu ihrem Wohl. ... Dann kennt man die Sprache, die die Sprache des Himmels ist.
Hazrat Pir-o-Murshid Inayat Khans endgültiges Vermächtnis:
Jeder Mensch besitzt diese Fähigkeit in gewisser Weise und bis zu einem bestimmten Grad, aber der Geist der Führung ist tatsächlich nur unter wenigen der menschlichen Rasse zu finden. Jede Seele trägt die Quelle der göttlichen Botschaft in sich. Das ist der Grund, warum keine Vermittlung mehr benötigt wird, keine dritte Person als Erlöser zwischen dem Menschen und Gott.
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(Gegenwärtig weicht die Numerierung der Briefe von den englischen Originalen ab: Die englische Nr. 116 ist ein Teil der Sonderausgabe von Weihnachten 1998 [111a]. Das englische Original der vorliegenden Ausgabe trägt die Nummer 117.)