Feriengrüße von Pir Vilayat Inayat Khan
Obwohl die Schwelle zum neuen Jahrtausend weder einer bedeutenden astrologischen Konstellation entsprach noch dem tatsächlichen Geburtsdatum von Christus, haben wir sie in unserem Denken als Quantensprung erschaffen, und deshalb hat sie wichtige Bedeutung für uns, wenn wir ihre Botschaft beachten. Und das ist ihre Botschaft: Die Zukunft ist nicht etwas, was vorhanden ist und in das wir nur eintreten müssen, sondern wir erschaffen sie. Das kollektive Denken des Planeten gibt uns Zeichen, die uns warnen, daß wir etwas ändern müssen.
Das ganze Universum hat beigetragen zu der Art, wie die Menschheit heute denkt. Besäße der Planet keine Intelligenz, so gäbe es keine intelligenten Wesen auf ihm. Die gemeinsame Arbeit des Verstandes mehrerer Menschen und die gleichgerichtete Aktivität der ganzen Welt wird von der Intelligenz des Planeten gelenkt.
Pir-o-Murshid Inayat Khan
Wenn man eine neue Seite oder insbesondere ein neues Kapitel beginnt, muß man sich von der vorausgegangenen Seite lösen, wenngleich sie im Buch verbleibt. Im richtigen Leben ist es allerdings so, daß die Vergangenheit selber sich auch ändert. Wenn Sie im Auto fahren und aus dem Fenster schauen, haben Sie vielleicht noch das Bild der eben vorbeigezogenen Landschaft, so wie Sie sie gesehen haben, im Gedächtnis; säßen Sie jedoch im Hubschrauber und hätten einen größeren Überblick, so könnten Sie sehen, daß sich inzwischen etwas verändert hat, daß zum Beispiel ein Auto die Straße überquert. Unser Gedächtnis hat interessanterweise die Fähigkeit, aus den Erfahrungen der Vergangenheit das Wesentliche herauszuziehen. Die Aufgabe für unseren Verstand liegt nun darin, die Einsicht, die wir dem Vermächtnis der Vergangenheit verdanken, mit den Aussichten zu verbinden, die für die Zukunft bestehen.
Die Seele manifestiert sich in der Welt, damit sie die verschiedenen Phasen der Manifestation erleben kann, ohne dabei von ihrem Weg abzukommen, um schließlich ihre ursprüngliche Freiheit zurückzugewinnen, bereichert um die Erfahrung und das Wissen, die sie in der Welt gewonnen hat.
Unser Motto für das neue Jahrtausend findet sich in den Worten von Euler: "Die Zugkraft der Zukunft ist stärker als die Schubkraft der Vergangenheit." Da wir die Zukunft erschaffen, sind es die Beschlüsse, die wir für das neue Jahr beziehungsweise das neue Jahrtausend gefaßt haben - unsere Gelübde -, die Tür und Tor für einen Wandel öffnen.
Wahres Entzücken findet der Geist darin, auf die Erde gekommen zu sein und hier seine spirituelle Existenz realisiert zu haben.
Pir-o-Murshid Inayat Khan
Unsere Sorge in Bezug auf die Ausbeutung unseres schönen Planeten, auf Kriminalität und Vulgarität zeigt uns die Herausforderung, vor der wir stehen. Um eine Veränderung auszulösen, müssen wir zuerst an uns selber arbeiten: Wir müssen unseren Groll überwinden. Die schwierigste Aufgabe liegt darin, denjenigen Menschen, die es einem schwer machen, sie zu lieben, Liebe entgegenzubringen, ohne sich jedoch von ihnen beherrschen zu lassen und die eigenen Werte zu verraten. Was uns aus dieser Schwierigkeit heraushelfen kann, ist unser Sinn für das Heilige; Verherrlichung hebt uns über Selbstsucht und Gier hinaus und verleiht uns spirituelle Autorität.
Eine neue Spiritualität erhebt sich aus den Religionen der Vergangenheit, eine Spiritualität, die frei ist von Dogmen, Vorschriften, Gurus und Institutionalisierung, eine Spiritualität, die uns aufruft, Verantwortung zu übernehmen, unsere Werte zu ehren, das Wunder des Lebens zu feiern und zu erkennen, welches Privileg es ist, an der kosmischen Feier teilnehmen zu dürfen, die mitten im Drama der Menschheit stattfindet.
Im Menschen erwacht jener Geist, von dem das ganze Universum erschaffen wurde.
Pir-o-Murshid Inayat Khan
Sie erkennen vielleicht in dieser Vision von der Zukunft der Spiritualität die Züge der Botschaft, die Hazrat Inayat Khan uns gebracht hat - einer Botschaft für unsere Zeit. Er war ein Pionier; seiner Zeit weit voraus, erkannte er diese neue Perspektive: den "Universel" - die Jahrtausendbotschaft der spirituellen Freiheit, die die Göttlichkeit des menschlichen Zustands ehrt - Meisterschaft durch Vollendung.
Sie trägt eine herzerquickende Energie in sich: die Wieder-Verzauberung.