
Für den Buddhismus denken Sie an Buddha - Sie können
ihn sich vorstellen, wie Sie wollen - aber ich sehe ihn gehend
zwischen seinen schweigenden Schülern, ganz still - absolut
leuchtend, strahlend, sehr edel und erhaben in seinen Bewegungen,
voll von Mitleid für alle Menschen, ohne Sentimentalität,
aber in sehr tiefer Sorge um die Menschen.
Ich denke, daß das Wesen Buddhas in unseren Gedanken und
unseren Emotionen sehr gegenwärtig ist. Natürlich haben
wir alle eine unterschiedliche Vorstellung, aber sie haben etwas
gemeinsam. Buddha wird oft in der sogenannten Buddhahaltung dargestellt
oder unter dem Bodhibaum sitzend, und im Museum von Lahore gibt
es eine wunderbare Statue des Bodhisattva - das bedeutet, vor
der Erleuchtung -, bei der man die Rippen und die Schulterknochen
sieht und die enorme Willenskraft erkennt, mit der Buddha Tag
und Nacht meditierte und zu erfassen versuchte, was hinter dem
ganzen Phänomen des Universums steht. Und dann haben wir
natürlich das Bild von Buddha, wie er zwischen seinen Schülern
geht, umgeben von einer Zone von Stille, erleuchtet, voller Licht,
sein Herz voller Mitgefühl. Er hat seinen Palast verlassen,
um eine Lösung für die Leiden der menschlichen Wesen
zu finden. Das sind also die Bilder, die wir uns von Buddha machen.

Jetzt treten wir in das Bewußtsein von Buddha ein, jenseits
des Bodhisattva oder des Prinzen Siddharta - als Tathagata, das
heißt, jenseits seiner individuellen Persönlichkeit.
Es ist die Essenz seines Wesens, die auch in jedem von uns zu
finden ist, eine große Würde, innerer Friede und Gelassenheit
- eine Gelassenheit, die daher rührt, daß man die Welt
mit Losgelöstheit und ohne Ego betrachtet. Die Folge davon
ist das Licht der Intelligenz. Und gleichzeitig Mitgefühl
für alle leidenden Wesen - in der Erkenntnis, daß dieses
Leiden zum großen Teil auf die Unkenntnis der Bedeutsamkeit
des Lebens zurückzuführen ist. Buddha versucht die Menschen
zu erwecken; die Grundnote ist also Erweckung.
Das Licht, das ihn umgibt, ist der Ausdruck außerordentlicher
Genauigkeit der Wahrnehmung, sodaß er - wohin er auch geht
- sein Licht auf alle Dinge wirft. Er ist vollständig erwacht
und seine Aufgabe ist es, durch die Klarheit seiner Einsicht diejenigen
zu erwecken, die mit ihm in Kontakt kommen. Dies ist nicht lediglich
der Buddha, der im 5. oder 6. Jahrhundert vor Christus gelebt
hat; es ist Buddha, wie er jetzt ist und immer erreicht werden
kann. Es ist da eine Art göttlichen Bewußtseins, die
total kosmisch ist.
Ich habe nachts meditiert - nächtelang und viele Nächte
hintereinander - gegenüber dem Baum, unter welchem Buddha
gesessen hat in Bodhgaya, und mir vorgestellt, in das Bewußtsein
von Buddha einzutreten. Sie sind jetzt eingeladen, das zu machen,
nicht nur die Vorstellung, wie er aussehen würde, sondern
innerhalb ... in seinen Zustand, in Einklang kommen. Und dann,
was er sagt, ist ... jenseits der Existenz - erst die Existenz,
also ganz kosmisch, und dann jenseits der Existenz. Als ob man
eine Rakete genommen hätte in den Weltraum, bis man außerhalb
des ganzen Kosmos ist - das ist nur eine Utopie, aber eine Vorstellung,
daß man sich befreit von dem existentiellen Zustand. Und
dann jenseits des Bewußtseins - man sieht, daß das
Bewußtsein einen auf der Erde hält, also im existentiellen
Zustand. Wenn man seinen Versuch aufgibt, etwas als Subjekt zu
erfahren und auch seine Gedanken kennenzulernen, dann findet man
Freiheit - man wacht auf! Eine ganz neue Art der Kenntnis, die
nicht begründet ist auf Wahrnehmung oder überhaupt auf
Denken. Buddha war wie ein Wissenschaftler, er wollte wissen:
Was ist die Reihenfolge, die zu einem existentiellen Zustand führt,
und wie kann man sich davon befreien? Und dann macht man es umgekehrt
- man befreit sich von dem existentiellen Zustand. Und dann dachte
er: Ja, wenn man das tut, dann hat man kein Leid mehr. Und überall
sehe ich Leid. Wäre das nicht eine Lösung? - Ja, aber
wer kann das machen? Und man kann auch fragen, ob das erwünscht
ist, weil ... ist das nicht eine Anästhesie gegenüber
Leid? - vielleicht ist es auch gut, daß man leidet, dadurch
wird man ... ja, mehr Mensch, und man entwickelt sich durch Leid.
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